Globales 2018-03-26

Razzia unter Wasser!

Tijuana: Knapp 2 Kilometer vor der amerikanischen Grenze, Zielort des Frachtgefährts, finden Spaziergänger ein herrenloses Surfbrett. Der doppelte Boden des ferngesteuerten Transportmittels: ausgestattet mit ca. 1o Kilogramm synthetischen Drogen. Der Wert: schätzungsweise 100.000 Dollar. Ob durch derartig präparierte Gefährte, Kriminalität von Crewmitgliedern, Passagiere auf Kreuzfahrten oder den Einsatz hochklassiger U-Boote der neuen Generation – das Business, um den internationalen Drogenschmuggel und -handel auf See scheint in Sachen Kreativität und Fortschritt keine Grenzen mehr zu kennen.

 

Ideal ruhig am Ende einer Sackgassegelegen, direkt am Anfang des Radwegenetzes, liegt das Zeesboothaus. Drei behaglich und modern eingerichtete Wohnungen, für bis zu vier Personen, laden zu einem traumhaften Urlaub auf Rügen ein.

 

Trotz zahlreicher Möglichkeiten waren, sowie bleiben, Containerschiffe bei den Schmugglern besonders beliebt. Das Risiko, bei einer Menge von über 14.000 20-Fuß-Containern pro Schiff ins Auge der Fahnder zu fallen, sei gering. So hat erst im Juli der Hamburger Zoll einen Rekordfund in drei Aktionen in Schiffscontainern gemacht: 3,8 Tonnen Kokain im Straßenverkaufswert von 800 Millionen Euro. Die Versteckmöglichkeiten sind auf Schiffen aber weit kreativer als nur in Containern zwischen legalen Waren. Illegale Ware wird beispielsweise außerhalb des Schiffes in Hohlräumen oder angeschweißten Metallkästen untergebracht, nicht mal die Schiffsschrauben werden ausgespart. Der Zoll kontrolliert deshalb regelmäßig Schiffe mit Tauchern, die das Schiff unter Wasser auf Herz und Nieren prüfen. „Wir bei Skyline Express haben für die Kontrolle unserer Container immer Verständnis. So wollte die Mutter eines Bekannten und Kunden von uns, ihrem Sohn einen Gefallen tun und bestückte die Blumentöpfe aus ägyptischem Ton, die für sein Restaurant bestimmt waren, mit arabischen Gewürzen. Es wurde wirklich quasi „geschmuggelt“, wobei es die Mutter
lieb gemeint hatte. Der gesamte Container im Hafen Hamburg wurde entladen und kontrolliert – Kosten ca. 2.500 Euro und eine Woche Verzögerung.“ erzählt Volker Sim, CEO von Skyline Express.

 

Eine europaweite Razzia des europäischen Amts für Betrugsbekämpfung (Olaf) aus dem Juni 2017 liefert Zahlen: im Zeitraum von nur zwei Wochen wurden 400 Schiffscontainer durchsucht und offenbarten den Zollfahndern Gefahrengut jeglicher Art. Neben über 450.000 gefälschten Autoteilen und nachgeahmten Produkten bekannter Hersteller, stellte Olaf 56 Millionen unverzollte Zigaretten sowie 668 kg Kokain sicher. Das Stockholmer Friedensforschungsinstitut Sipri und andere Drogenbeauftragte von Nationalstaaten sehen internationale Zusammenarbeit als unumgänglich, aber – dementsprechend – auch als ausbaufähig. Bessere staatliche Hafenkontrollen, Stärkung von Zoll und Justiz, aber auch der Ausbau bereits existierender Überwachungsmechanismen soll den Drogen- und Waffentransport in seine Schranken weisen.

 

Sensibilisierung und Aufklärung der Öffentlichkeit seien ebenfalls nötig. „Das Thema wird immer brisanter. Siehe die neue Heroinwelle in den USA, die in den Medien thematisiert wurde. Gerade junge Menschen, die häufi g leicht zu beeinfl ussen sind, müssen vor solchen Gefahren geschützt werden“, erläutert Sim eindringlich. Aber nicht nur vor Drogen muss die Bevölkerung geschützt werden, auch legale Produkte müssen vor Fälschern geschützt werden, da
sonst die Sicherheit von Produkten nicht gewährleistet ist (wie etwa bei den vielen Feuerwerkskörpern um Silvester herum). „Kontrolle und Sicherheit kostet Geld, was wir über Gebühren an Kunden weitergeben müssen, die leider nicht immer Verständnis haben“, erklärt Sim.

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