Fachartikel 2017-07-21

RESERVIERUNG SICHER?

Um Missverständnissen vorzubeugen erklären wir, wie unsicher selbst feste Buchungen über den See- und Luftweg sind.

Reservierung sicher?

Bei Luft- und Sefracht hat die Sicherheit von Mensch, Tier und Umwelt Vorrang. Deshalb können einige Buchungen nicht immer wie zugesagt abgewickelt werden. Gelegentlich kommt es dann zu Reklamationen. Um Missverständnisse zu vermeiden, erklären wir gerne, wie unverbindlich eine „feste Buchung“ leider sein kann.

Ca. 80% der weltweiten Luftfracht wird auf Passagierflugzeugen und nur etwa 20% auf reinen Frachtern befördert. Das letzte Wort hat der Kapitän. Je nach Zielort und Wettervorhersage wird die Flugroute festgelegt und damit verbunden der Bedarf an Kerosin. Je mehr getankt wird, desto weniger Fracht kann verladen werden. Erst wenn die Berechnungen des Kapitäns abgeschlossen sind, wird die Fracht dem Flugzeug nach einer Prioritätenliste zugeordnet und der Reihenfolge nach eingeplant: Gepäck, lebende Tiere, Organe, HUMS (Leichen), Post, verderbliche Güter, Fracht.

Nahezu alle Carrier richten verschiedene Produkte auf individuelle Bedürfnisse aus. Besonders dringende, hochpreisige oder empfindliche Fracht kann preisgebunden in der Prioritätenliste nach oben klettern. Aber auch dabei gibt es keine Garantie. Wird eine Buchung nicht eingehalten, können lediglich die Frachtkosten zurück auf den Standard Level reduziert werden. Einen Rechtsanspruch auf den gebuchten Flug gibt es nicht.

In der Seefracht ist es ähnlich: Auch hier entscheidet letztlich der Kapitän. Allerdings wird er auf sog. Loadmaster zurückgreifen, welche die Auslastung und Positionierung der Container auf seinem Schiff disponieren und dafür die Verantwortung tragen. Sehr wichtig ist die Balance an Bord: Optimal sind leichte Container, da die Schiffe meist vom Gewicht her ausgelastet sind aber eigentlich noch Platz haben für mehr Container. Gefahrgüter werden gesondert positioniert – meist an Deck mit Abstand voneinander, um sie im äußersten Notfall leicht über Bord entsorgen zu können und um Kettenreaktionen auszuschließen. Manche Güter werden dann nicht transportiert, wenn die Sicherheit, insbesondere die Balance des Schiffs gefährdet ist. Häufig wird die Verweigerung jedoch nicht begründet.

Für unsere Kunden und Partner setzen wir uns besonders ein: Kurz vor Beladung der Schiffe wird geprüft, ob unsere Container unverändert auf der Verladeliste stehen. Durch unsere langjährige Erfahrung und kollegiales Miteinander, haben wir persönliche Kontakte, die uns gelegentlich helfen, noch etwas unterzubringen oder zumindest vorgewarnt zu werden.

Garantien gibt es auch in der Seefracht nicht. Produkte zur Priorisierung von Frachten wie in der Luftfracht fehlen noch. Da die Reeder aber neue Einnahmequellen brauchen – siehe Ausgabe 1/2017 –, sind künftig Angebote denkbar, durch die Verlader, die mehr bezahlen, auch mehr Sicherheit bei der Supply Chain bekommen.

Unser Engagement in allem was wir tun gilt Ihnen – unseren Kunden, nein, Partnern!

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